Konstruktionsgeschichten

Narrativität hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als ein Grundbegriff der Kulturwissenschaften etabliert. Angesichts der vielfältigen Anwendungsbereiche lässt sich bereits von einem „narrativistischen Paradigma“ (Meuter 2004) sprechen. Einschlägige Studien reichen von der narrativen Verfasstheit von Identität über die Legitimation kollektiver Selbstverständnisse durch politische Mythen bis hin zur Reflexion der Narrativität kulturwissenschaftlicher Argumentstrukturen. Das Pro*Doc-Projekt bündelt die hiervon ausgehenden Impulse, um sie unter dem Leitbegriff Konstruktionsgeschichten für religionsbezogene Detailstudien fruchtbar zu machen. Konstruktion wird dabei explizit als narrative Konstruktion betrachtet, deren Gegenstand das „Wie“ des Erzählens, der Plot, ist. Das Anliegen ist somit nicht, narrativistische Religions- oder Kulturtheorien zu entwerfen oder zugrunde zu legen. Vielmehr geht es darum, bei der Betrachtung der vielfältigen Gegenstände der Religionsforschung die Komponente ihrer narrativen Gestaltung erzähltheoretisch in den Blick zu bringen. Mit einem weiten Textbegriff transmedialer Erzähltheorie sollen neben literarischen Quellen unter anderem audiovisuelle Medien, Architekturen und rituelle Performanzen auf ihre Erzählstrukturen hin analysiert werden. Durch die narrative Analyse ethnographischer Daten sollen eingehendere Aufschlüsse über das Wechselspiel zwischen unterschiedlichen Formen der Autorenschaft gewonnen werden. Solche Analysen bewegen sich notwendig selbst in narrativen Formen. Somit steht das Narrative nicht nur auf der Ebene des Forschungsgegenstandes im Zentrum des Interesses, sondern auch auf der Ebene der wissenschaftlichen Produktion. Das erzähltheoretische Instrumentarium kann auch hier dazu dienen, die Ansätze zu reflektieren und zu schärfen. Mit den Konstruktionsgeschichten sollen derartige Potentiale narrativitätsbezogener Zugangsweisen im Bereich der Religionsforschung aufgezeigt und demonstriert werden.

Unterstützt durch den SNF

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